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Depressionen: Betroffene gut versorgen

Ein stabiles und unterstützendes Umfeld ist wichtig für die erfolgreiche Behandlung von Depressionen. Dazu gehört auch eine interdisziplinäre ärztliche Betreuung. Eine neue Studie sieht ein DMP als Möglichkeit, die Versorgung Depressiver zu verbessern.

Wie ein möglichst effektives Disease-Management-Programm (DMP) bei Depressionen aussehen könnte, hat eine Studiengruppe am Institut für Allgemeinmedizin der LMU München untersucht. Denn während solche interdisziplinären Programme für chronisch körperlich Erkrankte schon existieren, gibt es sie für Depressionen noch nicht. Daher kommt es häufig zu fehlenden Absprachen und Kooperationen zwischen den einzelnen behandelnden Praxen.

An der Studie nahmen mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten teil. 68,4 % der Teilnehmenden waren Frauen, das Durchschnittsalter betrug 50,8 Jahre. Beobachtet wurde die Wirkung kooperativer Betreuung mit unterschiedlichen Komponenten im Vergleich zur Standardbetreuung in der Primärversorgung. 

 

Die wichtigsten Bausteine

Überraschend für die Studienautorinnen und -autoren war die Wichtigkeit der Einbindung von Angehörigen in die Behandlung der Patientinnen und Patienten. Je besser diese darüber aufgeklärt wurden, wie sie zuhause mit den Betroffenen umgehen sollen, desto erfolgreicher war die allgemeine Behandlung.

Doch auch hausärztliche Praxen können entscheidend zum Therapieerfolg beitragen. Besonders sogenannte psychologische Kurzinterventionen durch die Hausärztin oder den Hausarzt scheinen sinnvoll zu sein. Dafür werden die Ärztinnen und Ärzte von Therapeutinnen oder Therapeuten angeleitet und bekommen verschiedene Tools und Anwendungsbeispiele an die Hand. So wissen sie bei jeder Sitzung, welche Übungen und welche Schritte zum jeweiligen Zeitpunkt zu machen sind, so die Studienautorin Hannah Schillok. Sie hofft, dass die Studienerkenntnisse die Gestaltung eines DMP für Depressionen unterstützen können.

 

Klinikaufenthalte nehmen zu 

Eventuell könnte eine bessere ambulante Versorgung auch dem Trend entgegenwirken, dass immer mehr psychisch erkrankte Patientinnen und Patienten einen Klinikaufenthalt benötigen. 2023 waren das laut Statistischem Bundesamt 76,8 %, insgesamt rund 261.200 Betroffene. Im Jahr 2003 lagen die Zahlen noch bei rund 147.800 Patientinnen und Patienten. Auf Depressionen entfällt dabei rund ein Viertel. Frauen sind mit 59.200 stationären Aufnahmen davon häufiger betroffen als Männer. 

Depressionen spielen auch in der Altersgruppe von 10 bis 19 Jahren schon eine große Rolle. Sie sind der häufigste Grund für eine Klinikeinweisung aufgrund psychischer Erkrankungen. Rund 33.300 Heranwachsende waren 2023 deshalb in stationärer Behandlung. 

 

Lebenszeit verlängern

Depressionen sind nicht nur eine psychische Belastung – sie haben auch gravierende Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit und die Lebenserwartung. Eine aktuelle Studie der Deakin Universität in Melbourne zeigt, dass Depressionen sogar stärker zur Verkürzung der gesunden Lebenszeit beitragen können als viele chronische körperliche Erkrankungen.

Die Forschenden analysierten die Daten von fast 19.000 Menschen im Durchschnittsalter von 75 Jahren und untersuchten, wie sich Depressionen auf die Anzahl gesunder Lebensjahre auswirken – sowohl allein als auch in Kombination mit Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Dabei kam u. a. heraus, dass Menschen mit Depressionen bis zu 3,6 Jahre kürzer ohne gesundheitliche Einschränkungen leben. Bei gleichzeitiger Depression und Typ-2-Diabetes verringerte sich die gesunde Lebenszeit sogar um 4,5 Jahre – mehr als durch Diabetes allein. Auch Bluthochdruck hatte bei depressiven Menschen eine stärkere Auswirkung, ihre Lebenszeit verkürzte sich um 2,5 Jahre.

Als essenziell sehen es die Forschenden an, Depressionen in die Behandlung chronischer Erkrankungen mit einzubeziehen. Dabei bilden Antidepressiva und die Vernetzung der verschiedenen medizinischen Fachbereiche die Grundlage.

MT

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